Es war quasi das Bonuskonzert einer abgeschlossenen Reihe. Nachdem mit Symphonic Odysseys die Symphonic-Tetralogie beendet wurde, gab es nun noch einmal Nachschlag. Was erwartet man aber von einem Bonus? Einen Ticken mehr von dem, was man so mag ohne aber auf die Vollständigkeit des Altbekannten zu bestehen. Das trifft in gewisser Weise auch auf Final Symphony zu, welches wir besucht haben.

Final Symphony Programmcover

Alles neu macht der Mai. Dass diese Redewendung auch auf Final Symphony zutrifft, ist wohl eher Zufall und doch aber sehr treffend. So zog mit einer neuen Stadt auch ein neuer Veranstaltungsort einher sowie ein neues Orchester musste zeigen, was es kann. Auch die Moderation hatte ein neues Gesicht. Und wenn wir schon dabei sind, so war der Dirigent weder Niklas Willén noch Arnie Roth. Und doch trotz alledem blieb der Kern gleich: Musik auf hohem Niveau und ein begeistertes Publikum.

Es ist ungewohnt in den Kölner Hauptbahnhof einzufahren und dabei zu denken: „Diesmal kannst du sitzen bleiben“. Denn die Zugfahrt dauert noch ein wenig länger und zwei weitere Stationen später steige ich in Wuppertal Hbf. aus. Der Bahnhof mitsamt Vorgebäude ist wenig einladend, aber ich bin nicht nach Nordrhein-Westfalen gekommen, um Bahnhöfe zu bewerten. Nach einer kurzen Orientierungsphase und einem Abstecher ins Hotel sagt die Uhr bereits, dass es weise wäre sich schon in Richtung Stadthalle zu begeben.

Die Historische Stadthalle macht bereits von außen einen gemütlichen Eindruck. Das Gebäude hat eine kunstvolle Architektur und unterhalb des Dachs wurden die Namen berühmter Komponisten wie Beethoven und Wagner eingemeißelt. Die Zeit sich das Äußere ausführlich anzusehen, war definitiv gegeben, denn bereits eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn der Autogrammstunde mit den Ehrengästen Nobuo Uematsu und Masashi Hamauzu war die Warteschlange lang. Da kamen durchaus Erinnerungen an Symphonic Fantasies auf…

Da sich die Vorhut bereits in der Reihe befand, waren wir (mittlerweile war ich nicht mehr alleine) nicht gezwungen uns am Ende anzustellen, so dass wir letztendlich dadurch auch unsere mitgebrachten Dinge (zugegeben: mal wieder) signieren lassen konnten. Anderenfalls wäre die Sache nicht so gut ausgegangen, denn wie bereits 2009 reichte die Zeit nicht aus, um alle Interessierten mit Unterschriften und Händedrücken zu versorgen.

© intuitive fotografie köln // Philippe Ramakers

© intuitive fotografie köln // Philippe Ramakers

Das Konzert (genauer: die Abendveranstaltung) ging relativ pünktlich mit der Eröffnungsfanfare los, die erneut von Jonne Valtonen komponiert wurde und im Nachhinein betrachtet etwas verlassen neben den Dingen steht, denn mit dem restlichen Programm hatte sie nur wenig zu tun, dafür war die Komposition einfach zu anders. Danach begrüßte ein sichtlich gut gelaunter Winfried Fechner das Publikum. Dem ein oder anderen Veteranen mag dieser Name noch ein Begriff sein. Als ehem. Manager des WDR Rundfunkorchesters brachte er nämlich die Spielemusik zum WDR und war sich auch nicht zu schade stets die Vormoderation von Konzerten zu übernehmen. Und das war gut so, denn sonst hätten wir ihn an diesem Abend vielleicht nicht auf der Bühne gesehen. Herr Fechners Kunst besteht darin mühelos mit seiner natürlichen Freundlichkeit das Publikum anzusprechen und durch seine Wortwahl und Redeweise jenes an sich zu binden. Dadurch war es schon früh ein Wunsch vieler Fans (wie mir), die Moderation in seine Hände zu legen. Vor allem nachdem die Moderatorenauswahl der vergangenen Symphonic-Konzerte nicht sehr glücklich verlief. Mit Final Symphony ging dieser Wunsch nun in Erfüllung und wenn man den bisherigen Reaktionen glauben schenken mag, so wird Herr Fechner nach diesem Tag ein paar Fans mehr haben. Völlig zurecht! Offen gab er zu, dass es sinnlos sei den Fans die Spiele erläutern zu müssen – denn sie kennen diese ja und vor allem viel besser als er. Und so ging er dazu über in mal mehr, mal weniger längeren Geschichten Momente aus seiner Zeit beim WDR zu erzählen. Gerade für die Alteingesessenen, die schon seit Symphonic Shades dabei sind, waren diese Einblicke hinter die Kulissen äußerst interessant.

Jede der im Konzert gespielten Teile der Final Fantasy-Reihe, VI, VII und X, wurden zu ganzen Sinfonien zusammengefasst, wie man sie beispielsweise zum ersten Mal in Symphonic Fantasies hörte. Das heißt anstatt einzelne Lieder zu spielen, wurden diese aneinander angefügt und miteinander verwoben, so dass diese Stücke auf eine Länge von 15 Minuten und mehr kommen können. Diese Art und Weise kam hier besonders zum Tragen, denn anders als noch im genannten Symphonic Fantasies in der die Zusammenfassung der einzelnen Lieder mehr einem Medley entsprach, sollten in Final Symphony Geschichten musikalisch erzählt werden, was man den einzelnen Arrangements auch anhörte. Motive wurden länger gespielt und im Ablauf konnte man die zeitliche Abfolge der Emotionen herausfiltern. Dieses Gefühl wurde noch umso mehr dadurch bestärkt, dass Final Fantasy X und Final Fantasy VII in je drei Sätzen gespielt wurden. So gab man dem Zuhörer zusätzlich die Möglichkeit eine korrekte Trennung zwischen den einzelnen Kapiteln der Geschichte zu ziehen.

© intuitive fotografie köln // Philippe Ramakers

© intuitive fotografie köln // Philippe Ramakers

Musikalisch ging nichts schief. Die Historische Stadthalle Wuppertals war nicht nur von innen wunderschön anzusehen, sondern bot auch eine angenehme Akustik. Alle Instrumente des Wuppertaler Sinfonieorchesters waren gut hörbar und wurden aus Sicht des Zuhörers fehlerfrei gespielt. Dirigent Eckehard Stier, der bereits mit Symphonic Fantasies Tokyo Spielemusikerfahrungen sammeln konnte, war stets mit Leidenschaft bei der Sache und ließ einen Arnie Roth nur wenig vermissen. An Herzblut mangelte es auch Benyamin Nuss nicht, der das Arrangement zu Final Fantasy X gänzlich ohne Notenblätter spielte und sich von Pausen und Tempowechseln recht unbeeindruckt zeigte.

Trotz vieler geänderter Faktoren schaffte es Final Symphony tatsächlich die Kirsche auf dem Sahnehäubchen darzustellen. Geschafft wurde dies in meinen Augen durch drei Elemente:

  • Weniger ist mehr: Anstatt im weiten Feld der Final Fantasy-Reihe zu wühlen, pickte man sich drei Teile heraus und entwickelte dazu Arrangements, die sich entfalten konnten.
  • Geschichte statt freie Hand: Das Geschichtskonzept schafft Grenzen, die Musiker anders ansprechen. Durch diese Grenze ist man gezwungen den musikalischen Aufbau nach den Gegebenheiten zu entwickeln und das weiterhin mit dem Ziel, dass es gut sein muss.
  • Geschichte überhaupt: Bei Rollenspielen ist die Musik nicht nur Hintergrundbeschallung, sondern dient ebenso dazu die Atmosphäre zu intensivieren und Emotionen zu übermitteln. Was liegt also näher als Melodien aus Rollenspielen genau diese Rolle in einem Konzert ebenfalls zu geben?

Letzteres ging sogar so gut auf, dass ich weder den (nicht anwesenden) Chor vermisst habe noch den Einsatz der (vorhandenen) Orgel. In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Soundtracks gar weniger durch Pompösität als durch Intensivität auszeichnen, wären diese Elemente vielleicht sogar fast schon deplatziert gewesen. Meinen Respekt an Thomas Böcker und sein Team. Sie haben mal wieder ein goldenes Händchen bewiesen.