Es war einmal im Jahre 2009 als ein Konzert in einer nicht gar so kleinen deutschen Stadt seine Premiere feierte, die Menge begeisterte und vielen Spielemusikfans einen tollen Abend bescherte. Es war ein Experiment, das aufging und an dem zum ersten Mal die ganze Welt in Ton und Video teilhaben konnte. Dieses Konzert nannte sich „Symphonic Fantasies – music from Square Enix“. Dieser Abend damals in Köln (gut, streng genommen war die Premiere einen Tag zuvor in Oberhausen, aber ursprünglich war nur Köln geplant) fand viel Lob und Begeisterung. Begeisterung, die auch heute noch anhält und seinen Weg in die klangliche Heimat gefunden hat, in die japanische Hauptstadt Tokyo. Ein Mitschnitt der dortigen Konzerte wurde, wie 2009 schon in Deutschland, auf CD gebannt und diese haben wir uns gründlich angehört und mit der ersten Produktion verglichen.

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Anfang Januar 2012 kehrten die Töne nach ihrer musikalischen Ehre in Deutschland nach Japan zurück und wurden vom Tokyo Philharmonic Orchestra zusammen mit dem Tokyo Philharmonic Chorus aufgeführt. Und wie die Kölner Veranstaltung wurde auch das Tokyoter Äquivalent auf CD gebannt. Diese CD ist vergangenen Juni erschienen und kann für Europäer bequem ohne eigenen Import über MAZ Sound Tools bestellt werden. Ob sich eine Anschaffung lohnt werden wir in den nächsten Zeilen verraten doch geht es nach den Versprechungen klingt es schon mal gut: Verbesserte Arrangements, bessere Tonqualität und die Zugabe ist ebenfalls dabei anstatt separat gekauft werden zu müssen, weil auf der Scheibe kein Platz mehr war.

(c) MAZ Sound Tools

Die erste Überraschung beim näheren Betrachten ist jedoch das dicke Booklet, welches mit zahlreichen Bildern und Informationen daherkommt. Das Vorwort stammt von Masashi Hamauzu und die weiteren Seiten geben Aufschluss über die vier Komponisten wie die beiden Arrangeure Jonne Valtonen und Roger Wanamo sowie über die Solo-Künstler Benyamin Nuss (Klavier) und Rony Barrak (Darbuka) als auch über Dirigent Eckehard Stier und Produzent Thomas Böcker. Allerdings allesamt nur auf Englisch. Die Dicke des Booklets lässt sich jedoch nicht nur mit all den Kommentaren erklären sondern auch mit der Dicke des Papiers, das qualitativ an Altpapier erinnert.

Vergleicht man die Länge der Suiten fallen in der Regel die Tokyoter Fassungen länger aus. Tatsächlich meine ich zu hören, dass manche Passagen für Streicher etwas länger wirken. Dass Töne gedehnt werden, was emotionaler wirkt. Aufgefallen ist dies zum ersten Mal bei Secret of Mana nachdem ich in Kingdom Hearts keine nennenswerten Änderungen heraushören konnte. Das soll nicht heißen, dass nichts geändert wurde, aber manche Stellen klingen auch anders, weil die Orchester verschieden sind und es spielt auch eine Rolle wie eng es zusammensitzt und wie die Mikrofone angeordnet sind.

Generell sollte man bezüglich den Änderungen keine großen Veränderungen erwarten. Bei den Überarbeitungen ging es mehr um Details, um ein, nach mehrmaligem Hören, nochmaliges Polieren. Nicht um ein neues Produkt. Einzige Ausnahme stellt hier die Zugabe „Final Boss Suite“ dar, die komplett überarbeitet wurde und in meinen Ohren die ursprüngliche Version in den Schatten stellt. Zum einen, weil die Suite mehr arrangiert wurde, wenn auch nicht so aufwendig wie die regulären Stücke, zum anderen zu großen Teilen das Lied „Lavos‘ Theme“ durch „World Revolution“ gewichen ist, was viele Fans damals vermisst haben – ist ersteres schließlich nicht das Thema des letzten Bosskampfes. Und apropos weichen: Fans des ewigen Klassikers „One-Winged Angel“ wurden in Tokyo nicht geärgert, d. h. weder wurde Rony Barrak ein Solo gewährt noch hat man sich stattdessen andere Fiesigkeiten ausgedacht. Wer also ein „störungsfreies“ Arrangement genießen möchte: Hier ist es!

(c) MAZ Sound Tools

Im Vergleich zur Aufnahme in Köln wurde der Applaus nach den einzelnen Stücken nicht auf die CDs gebannt. Dies kann man als schade empfinden, denn so fehlt das gewisse Etwas eines Konzertmitschnitts, andererseits traue ich mich anzuzweifeln ohne dabei gewesen zu sein, dass der Beifall an den der deutschen bzw. westlichen Fans nicht heranreichte. Japaner zeigen in diesen Fällen in der Regel ihre Begeisterung dann doch verhaltener. Meine Hand würde ich dafür aber nicht ins Feuer legen. Ob man dies als Trost akzeptiert muss jedoch jeder für sich selbst entscheiden. Persönlich hätte ich es nicht für falsch empfunden, Platz auf der jeweiligen CD wäre wohl gewesen, wenn man auf die Gesamtspielzeiten sieht, die für beide CDs zusammen 80 Minuten beträgt.

In Bezug auf die Tonqualität tue ich mich schwer ein Urteil zu fällen. Ohne die Behauptung anzuzweifeln, dass das hier vorliegende Album über eine bessere Klangqualität als das Kölner Pendant verfügt, so ist mir soundtechnischem Laien beim mehrmaligen Vergleichshören mit meinen 2.1-Lautsprechern als auch über meine Kopfhörer (Sennheiser PC-150) kein bewusster Unterschied aufgefallen. Orchester und Chor klingen auch hier glasklar. Es rauscht nichts, es knackst nichts. Manchmal ist ein Instrument anders betont, als qualitativen Unterschied möchte ich dies jedoch nicht werten. Wobei natürlich auch für die beste Aufnahme der Welt immer noch gilt: Dabeisein ist besser!

Fazit: Mit Symphonic Fantasies Tokyo ist den Verantwortlichen gewiss eine gute Produktion gelungen. Die Qualität ist gut, wenn auch auf mittelklassiger Audio-Ausrüstung nicht so ganz erkennbar, ob besser oder schlechter. Fans können leichte Veränderungen in den Arrangements wahrnehmen und manche Passagen klingen durch das andere Orchester und den anderen Chor bisschen anders. Da lediglich die „Final Boss Suite“ stärker verändert wurde, wird der- oder diejenige enttäuscht sein, wenn man erwartet hat, dass für die Heimat der Kompositionen das halbe Konzert umgebaut wurde. Dementsprechend ist es auch fraglich, ob sich für diese Personengruppe eine Anschaffung lohnt. Fans guter Klassikkonzerte und selektive Sammler können hingegen bedenkenlos zugreifen.

Wir danken Thomas Böcker für das Rezensionsexemplar!