Etwas ungewohnt war es diesmal. Lud man für gewöhnlich Ende September – zum Ende meiner Semesterferien – nach Köln, setzte der WDR den Termin für das alljährliche Spielemusikkonzert schon auf Anfang Juli – und somit kurz vor der Klausurenphase in meinem Fachbereich. Doch mit dem Gedanken „Sind ja noch fast zwei Wochen!“ fackelte ich nicht lange und folgte dem Ruf, um mich tapfer in eine sinfonische Odyssey zu stürzen!

„Symphonic Odysseys – Tribute to Nobuo Uematsu“ hieß das Konzert in voller Länge und wo Uematsu drauf steht, da lassen die Fans in der Regel nicht lange auf sich warten. So auch hier – wenn auch teilweise schleppend. Während die Abendvorstellung bereits nach 12 Stunden ausverkauft war, brauchte die Nachmittagsvorstellung etliche Wochen bis sie dasselbe vermelden konnte, doch am Veranstaltungstag bedeutete das nichts. Während Teioh und ich am Hauptbahnhof auf Bekannte warteten, warnte er mich bereits: Als er vorhin an der Philharmonie vorbei kam, war die Schlange für die Autogrammstunde schon früh ziemlich lang. Ich wunderte mich nur ein bisschen. Lang ist relativ. Lang war sie auch bereits bei Symphonic Fantasies. „Stellen wir uns eben etwas früher an. Ich mache mir da keine Sorgen“ war meine schlichte Antwort.

Und wir waren „etwas früher“ da. Gut zwei Stunden vor offiziellem Beginn der Autogrammstunde waren wir bereits an der Kölner Philharmonie – und wir waren nicht die ersten. Vor uns etwa 20 bis 30 Personen. Etwas überrascht war ich durchaus, begründete es mit „beinharte Fans“, doch es brauchte nicht wirklich lange und die Schlange hinter uns wurde länger. Viel länger. Als ca. 20 Minuten später unsere Truppe wieder zusammen kam – einige wollten sich noch ein Eis kaufen – trennten uns bereits weitere 30 Personen.

(c) VGM Lounge

Die Warteschlange um Viertel nach 5

Und die Schlange wuchs und wuchs. Mein Erstaunen war groß als die Menschen bereits anfingen etliche Meter weiter sich entlang des Bauzaunes der U-Bahn-Baustelle aufzustellen und ich nahm an da irgendwo sei das Ende, doch welch ein Narr ich doch war! Dieses Bild fiel mir erst vor kurzem in die „Hände“:


Warteschlange zu Symphonic Odysseys

Bei Uematsus Bandana...!

Wahnsinn. Dagegen wirkte Symphonic Fantasies wie ein Kindergartenausflug. Alles so ein bisschen wuselig, aber noch überschaubar, aber das… Somit begann also die Irrfahrt mit einer Irrsinnswarteschlange…

Das lange Ausharren brachte uns zumindest die Sicherheit (im Gegensatz zu vielen, vielen anderen) Nobuo Uematsu, der übrigens stilecht ein Deutschland-Bandana trug, die Hand zu schütteln und Zeug signieren zu lassen. Für die meisten von uns war es nicht das erste Mal und daher waren wir eigentlich nicht aufgeregt, aber es hat eine gewisse Tradition an Signierstunden teilzunehmen.

Wie schon letztes Jahr übernahm Ralph Erdenberger die Moderation. Richtig glücklich war zunächst keiner darüber; zu tief saßen die Erinnerungen an Symphonic Legends und gewissen Fremdschäm-Momenten, doch dieses Mal verkneifte es sich Herr Erdenberger in irgendwelche Kostüme zu schlüpfen. Auch die Redezeit war geringer im Vergleich zum Vorjahr. Es kam durchaus vor, dass drei bis vier Stücke angekündigt wurden, so dass nur ein Applaus die einzelnen Arrangements trennte. Nur gegen Ende unterlief ihm dann doch ein Patzer und er kündigte zur „Lost Odyssey Suite“ Kaim Argonar als einen Final Fantasy-Helden an. Die darauf folgende Unruhe im Publikum signalisierte aber schnell, dass da etwas nicht stimmte und die Korrektur ließ nicht lange auf sich warten.

Apropos Arrangements. Es wird Zeit, dass wir zur Musik kommen. Schon vor dem Konzert wurde das Programm im Internet veröffentlicht und bereits in einem eigenen Artikel brachte ich meine Überraschung zum Ausdruck, dass direkt zum Start (nach der schwungvollen Fanfare natürlich) die Final Fantasy-Suite loslegte. Man erwartet schließlich den finalen Bosskampf auch nicht zu Beginn eines Spieles (wobei die Idee etwas hat…).

(c) Philippe Remakers

Doch das Wort „Überraschung“ durchflog etliche Male meinen Kopf. Überraschend war das hohe Verhältnis „unbekannter“ Werke. Überraschend war, dass man sich aus Chrono Trigger „Silent Light“ herausgesucht hat. Überraschend war, dass manche Arrangements sehr nahe am Original waren. Und überraschend war, dass es diesmal gar zwei Zugaben gab.

Falls das jetzt negativ klingen sollte, so möchte ich dem widersprechen! Allein das Arrangement zu King’s Knight, ein Spiel, dass ich bis dato nicht kannte, ist mein Favorit des Abends! Nur hinsichtlich „Silent Light“ könnte man sich streiten. Weniger wegen der Idee nur den Chor zu nutzen, sondern wegen der Wahl des Stücks. Chrono Trigger plus Nobuo Uematsu ist für mich „Tyran Castle“ (oder „Burn! Bobonga!“ ;)), „Silent Light“ hingegen ist bei mir in der Beliebtheit eher unten anzutreffen.

Nichtsdestotrotz lag die Qualität der Musik wie gewohnt weit oben. Ganz gleich, ob die Partituren nun verspielter oder näher am Original waren, stets war hohes Niveau geboten und Musiker (dieses Mal ohne Rony Barrak übrigens) als auch Dirigent zeigten, was sie konnten. Wenn man sich darauf einließ wurden auch Emotionen geweckt: Nachdenklichkeit bei „A Fleeting Dream“, das Gefühl von Freiheit und Abenteuer bei „On Windy Meadows“, Konzentration bei der „Lost Odyssey Suite“. So muss Spielemusik sein. Das macht dieses Genre aus.

(c) Philippe Remakers

Somit fügt sich Symphonic Odysseys problemlos in die Riege seiner Vorgänger ein und schließt eine spektakuläre vierteilige Konzertreihe mit der sprichwörtlichen Kirsche auf dem Sahnehäubchen ab und persönlich kann man nur hoffen, dass die Pause, die sich der WDR nun gönnt, nicht zu lange dauern wird.

Fotourheber: 1.: VGM Lounge; 2.: Nintoni; Rest: Philippe Remakers