„Was für ein Gift?“ mag sich der/die ein oder andere gedacht haben, als er/sie die Überschrift las und die Frage ist durchaus berechtigt, daher erstmal eine Erläuterung zum Namen, bevor wir zum Inhalt des Albums kommen: Oto Gift ist eine Mischung aus Japanisch und Englisch. „Oto“ bedeutet „Geräusch“ bzw. „Klang“ im Japanischen und „gift“ ist für Deutschsprachige das unschönere Synonym für „present“, dem „Geschenk“. Ergo ist „Oto Gift“ das „Klanggeschenk“. Nun, das bedeutet zwar nicht, dass das Album gratis ist, aber das ist auch gar nicht Sinn der Sache, denn es ist das Benefizalbum von Basiscape, dem Musikstudio von Hitoshi Sakimoto (Final Fantasy XII, Valkyria Chronicles), dessen Einnahmen an das Japanische Rote Kreuz gespendet werden, um die Hilfe in der von einem Tsunami verwüsteten Tohoku-Region zu unterstützen, welcher die Folge des größten Erdbebens der japanischen Geschichte war.

Und somit hat das (nur digital erhältliche) Album nur insofern etwas mit Spielemusik zu tun als das die Komponisten allesamt für Videospiele komponieren, doch dies soll, neben dem guten Zweck, schon ausreichen einen näheren Blick auf das Ergebnis zu werfen.

Oto Gift enthält sechs Stücke, die je von einem Basiscape-Musiker komponiert wurden. Dabei handeln es sich um Hitoshi Sakimoto, Azusa Chiba, Mitsuhiro Kaneda, Kimihiro Abe, Manabu Namiki und Yoshimi Kudo, die je einen eigenen Stil haben, aber doch einen roten Faden durch die Lieder ziehen, den man vielleicht mit dem Wort „Hoffnung“ beschreiben könnte, denn für (fast) jedes einzelne Musikstück gilt, dass sie der ruhigen und einfühlsamen Art angehören.

Den Start dabei macht Studiogründer Herr Sakimoto selbst, der den Zuhörer mit gar engelsgleicher Musik begrüßt. „The Light And The Sunshine“ strahlt Geborgenheit aus, woran der Gesang der japanischen Sängerin Yumi Matsuzawa gewiss nicht unschuldig ist. Ein fantastatischer Anfang (der im Übrigen wunderbar zu einem ruhigen Sonntagvormittag passt)!

Die Nächste im Bunde ist Frau Azusa Chiba, die mit „Cgac Edch“ mich sofort an Soundtracks von Anime des sog. Slice of Life-Genres erinnert. Das Stück ist locker und unbeschwinglich. Es fordert einen regelrecht auf die Sorgen Sorgen sein zu lassen und den Tag zu genießen. Gelungen!

„Tomorrow’s Footstep“ von Mitsuhiro Kaneda begrüßt ebenfalls wie das Vorgängerlied den Zuhörer mit einem Klavier und gibt sich, um beim Titel zu bleiben, leichtfüßig. Das Piano wird in manchen Passagen durch Fingerschnippsen begleitet, was das Gefühl noch verstärkt und zum Mitwippen anregt.

Auch Kimihiro Abe nutzt als Basis für „con amore“ das Klavier. Ach, was sage ich, er benutzt nur das Klavier! Dementsprechend kommen Fans des Instruments hier vielleicht am meisten auf ihre Kosten. Die Melodie lädt aber auch alle anderen zum Träumen ein.

Manabu Namiki habe ich durch Deathsmiles kennengelernt und mir wurde schnell klar: Der Mann hat einen eigenen Stil, den ich vielleicht als „gezähmt wild“ beschreiben würde. Ähnlich ist auch hier „Not Alone“. Treibend ist das Lied nicht, aber deutlich das Dynamischte und sticht damit von den anderen Titeln auch heraus. Ist aber keineswegs schlecht möchte ich hinzufügen!

Den Abschluss macht Yoshimi Kudo, der mit „Harmonics“ wieder die beschauliche Atmosphäre zurückholt und die kleine musikalische Reise abrundet. Statt auf Klavier, setzt er auf Gitarren und schafft so nochmal einen anderen Klang als seine Kollegen in der Mitte des Albums.

Und dann ist das „Klanggeschenk“ auch schon wieder vorbei. Kurz, aber schön. Damit kann man das Werk in wenigen Worten zusammenfassen. Denkt man ein wenig über die vergangenen 19 Minuten nach, so wird man feststellen, dass Spielemusik im Grunde anders klingt (da es auch anders verwendet wird) und Oto Gift ein kleiner Ausbruch aus dem Üblichen gewertet werden kann. Hier haben Lieder nicht nur einen Anfang, sondern auch ein abgerundetes Ende. Schleifen sind nicht vorgesehen.

Das ist nur eine Notiz, die nichts an der Qualität ändert. Und diese ist hoch! Gerne hätte ich mehr gehört, gar ein „Oto Concert“ gewollt, so ist es nur ein Leckerli denn ein Hauptgericht, doch klar ist: Mit dem Kauf des Albums tut man nicht nur etwas Gutes, man bekommt dafür auch eine richtig gute Gegenleistung. Daher herrscht von meiner Seite eine klare Kaufempfehlung!

Auf iTunes ist es für 3,99 € erhältlich, auf Amazon.de für 4,62 € (wer sich wundert: vermutlich wurde der japanische Preis von 500 Yen nur umgerechnet). Die MP3-Dateien von Amazon haben dabei eine variable Bitrate (VBR) im 256 kbps-Segment.