Eine Sache, an die ich mich vielleicht gewöhnen könnte. Nur zwei Tage nachdem Symphonic Legends die Kölner Philharmonie in Aufregung versetzte ging es für mich schon zum nächsten Spielemusik-Konzert, denn Pianist Benyamin Nuss machte mit seiner Tour Halt in Trier, an der westlichen Grenze Deutschlands und wenn man ein Konzert dieser Art schon vor der eigenen Haustüre hat, dann sollte man die Gelegenheit doch nutzen, nicht?

Doch der Kontrast zwischen der Philharmonie und dem Trierer Veranstaltungsort, der Tuchfabrik, einem Kulturzentrum der Stadt, war zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Bei der Philharmonie in Köln handelt es sich um ein Konzertsaal erster Güte, mit über 2000 gepolsterten Sitzen, nobler Architektur und akustisch optimiertem Design. Der Große Saal der Tufa (wie die Tuchfabrik abgekürzt wird) hatte hingegen Hinterhof-Charme. Einzelne Holzstühle in Reihe gestellt, räumlich deutlich kleiner (ich würde auf 200 bis 250 Sitzplätze schätzen) und ein Akustiktechniker hat wohl nie diesen Raum betreten, aber an dieser Stelle sei jetzt schon gesagt, dass das Klavier stets ohne Probleme zu hören war. Ob dass dem Mikrofon vorne zu verdanken war (wobei es nicht auf den Flügel ausgerichtet war) oder der Kraft des Instruments selbst, vermag ich nicht zu beantworten.

Von der Lokalität hat sich Herr Nuss aber nicht irritieren lassen und war von Anfang an hochkonzentriert. Nach dem Spielen der „Lost Odyssey Suite“ begrüßte er das Publikum, dass nicht nur aus jungen Leuten sondern auch aus Personen mittleren Alters bestand, und erläuterte zunächst, was es mit der Spielemusik auf sich hatte und warum er sich entschieden hatte sich derer anzunehmen.

Dann folgte das Final Fantasy-Segment, dass alle Titel beinhaltete, die sich auf dem Album befinden mit Ausnahme von „A Place to Call Home“, welches aus Zeitgründen nicht ins Programm fand. Nach „Liberi Fatali“ brach das Publikum das Schema erst nach einem Programmabschnitt zu applaudieren und jubelte begeistert.

Die zweite Hälfte hatte Benyamin Nuss‘ Eigenkomposition „Nobuo’s Theme“, die „Blue Dragon Suite“ und „Years & Years“ im Gepäck. Mit „Nobuo’s Theme“ wollte er sein Idol musikalisch widerspiegeln, wie er erläuterte und auf „Years & Years“ ist er natürlich stolz, dass Nobuo Uematsu ihm eine Komposition gewidmet hat. Tja, wer wäre es nicht? Zu jedem Segment nannte er auch die jeweiligen Arrangeure und sprach kurz darüber, was ihm an ihnen gefällt.

Mit dem Ende des offiziellen Programms stand aber das Klavier noch nicht still für den Tag, denn es gab sage und schreibe drei Zugaben! Die erste war mit „Lea’s Song“ nochmal eine Eigenkomposition, die er seiner Freundin gewidmet hatte (Kommentar einer jungen Frau eine Reihe vor mir: „Süß!“), die zweite „etwas von Debussy“ und die dritte schlicht „was jazziges“. Der Begeisterung des Publikums zu urteilen, hätte es auch noch weitere Zugaben geben dürfen, aber verständlicherweise muss auch irgendwann ein Schlussstrich gesetzt werden.

Darüber hinaus sei erwähnt, dass Herr Nuss keine Notenblätter verwendete, sondern alles aus dem Kopf spielte! Eine fast schon unheimliche Leistung, wenn man bedenkt wie schnell manche Titel wie beispielsweise „A Mighty Enemy Appears“ zu spielen sind. Hut ab!

Mein Fazit zum Konzert ist durchwegs positiv. Live ist die Musik noch eine Ecke besser als die CD-Aufnahme und wenn man selbst sieht, wie viel Energie in das Instrument gesteckt wird, ist man schlicht verblüfft! Glücklicherweise war Trier erst die zweite Station der Tour und ich kann daher nur jedem empfehlen dem Konzert beizuwohnen – und dass nicht nur, weil einem Final Fantasy gefällt. Auch allgemeine Freunde des Klaviers werden ihre Höhepunkte widerfinden. Die weiteren Tourtermine, die allesamt im Oktober und November stattfinden, können auf www.benyamin-nuss.de eingesehen werden.

(Danke an Johan Köhn von spelmusik.net für die Fotos! Tak so mycket!)