Es war ein prägendes Ereignis für alle Anwesenden. Zuschauer wie Musiker, Verantwortliche wie Ehrengäste. Die einen in Erinnerungen schwelgend, die anderen motiviert von der Begeisterung der im Saal Sitzenden. Symphonic Fantasies setzte ohne Zweifel die Messlatte für Konzerte dieser Art ganz weit nach oben. Musikalisch wie auch atmosphärisch. Umso schmerzhafter war das Warten auf die CD. Natürlich, es gab Mitschnitte des Konzerts auf Videoportalen wie YouTube zum immer wieder ansehen und -hören, aber das ist nicht das gleiche als die Disk einzulegen, sich zurückzulehnen und die Musik in einer Qualität zu genießen an die die bisherigen Versionen im Netz einfach nicht rankommen.

Symphonic Fantasies CD-Cover

Doch nun hat das Warten ein Ende. Etwa ein Jahr nachdem das Konzert in der Kölner Philharmonie stattfand, erscheint die CD am kommenden Freitag im Handel und wir von VGM Lounge durften schon mal die Qualität genießen…

Auf der CD befinden sich die vier sog. „Fantasies“, sprich die vier Suiten, die je eine der vier Spiele (-reihen) umfassen sowie die Eröffnungsfanfare, komponiert von Jonne Valtonen. Ein gelungener Appetitanreger für das, was noch bevorsteht! Nicht nur musikalisch, sondern auch qualitativ. Jedes Instrument ist glasklar zu hören und wenn man es nicht wüsste, würde man (bis auf den Applaus) auch gar nicht merken, dass es sich um eine Live-Aufnahme handelt.

Die erste Suite umfasst die Spielereihe Kingdom Hearts für dessen Musik sich Yoko Shimomura verantwortlich zeigte. Obwohl ich selbst die Spiele nie gespielt habe, wusste das Arrangement zu gefallen und trieb mir damals Freudentränen in die Augen als sachte die Instrumente erklangen. Sehr schön ist auf der CD das Klavier zu hören an dem Benyamin Nuss saß. Es ist integraler Bestandteil der Suite und durfte allein daher schon nicht in den Hintergrund rücken. Im Übrigen kein Wunder: Frau Shimomura ist ausgebildete Pianistin.

Die zweite Fantasy war Secret of Mana gewidmet – das Spiel, welches mich selbst zur Spielemusik brachte. Doch auch nach all der Zeit bekomme ich immer noch Gänsehaut, wenn „Fear of the Heavens“ erklingt. Spätestens jetzt ist auch die Scheibe ein Geschenk des Himmels, denn Feinheiten kommen wirklich zur Geltung in dieser sehr experimentellen Suite in der u. a. Fingerschnipsen als Regen und raschelndes Papier als Blätter, die sich im Wind bewegen imitiert wurden. All dies konnte man schon mal überhören – trotz famoser Akustik in der Philharmonie. Doch auf der Disk ist vor allem der Regen zu erkennen. Nicht besonders laut, es muss schon etwas Ruhe im Raum herrschen, aber es ist da. Herrlich! Zugegeben aber, beim Papier tut man sich schon schwerer.

Weiter geht es mit einem weiteren Klassiker: der Suite zu Chrono Trigger bzw. Chrono Cross. Yasunori Mitsudas vielleicht beste Schöpfungen bislang. Ein großartiges Arrangement, vielleicht auch weil viel Power darin steckt. Wir wissen ja, Männer brauchen’s auch mal hart. ;) Wie auch immer, Rony Barrak am Percussion war eine ideale Ergänzung, der natürlich auch klar zu hören ist. Generell ist diese Suite weniger experimentell als jene zu Secret of Mana bis auf die fabelhafte Kombination der beiden Main Themes „Chrono Trigger“ und „Scars of Time“, welches von vielen Fans als Höhepunkt genannt wurde. Doch auch das gefühlvolle „Prisoners of Fate“ wusste mich vollauf zu überzeugen.

Das Finale der CD bildet dem Namen passend Final Fantasy. Es ist auch nicht sehr experimentell, was auch Komponist Nobuo Uematsu später zugab und sich wünschte ein Arrangement zu seiner Musik wäre einmal so wie jenes zu Secret of Mana, doch schlecht ist es trotzdem nicht. Die Verantwortlichen haben einen schönen Mix gefunden zwischen Tracks, die bereits oft arrangiert worden sind und welchen, die bislang unberührt blieben, wie z. B. „Phantom Forest“ aus Final Fantasy VI. Einen ganz großen Liebling der Fans hat man sogar abgewürgt: „One-Winged Angel“, das Kampfthema gegen Sephiroth in Final Fantasy VII, erklang nur kurz bevor die Chocobos mit ihrem Thema das Orchester übernahmen. Thematisch ein krasser Wechsel, welcher jedoch beim fachkundigen Publikum für Lachen sorgte – das ebenfalls auf der CD enthalten ist (ein Danke dafür!).

Was lässt sich abschließend sagen? Das Album ist ein Muss für jeden Spielemusik-Fan. Wie bereits auch GoCho erwähnt hat, ist die Qualität superb und stellt alles in den Schatten, was bislang im Internet zu finden war. Und ich würde sagen, es ist fast schon eine Erleichterung für die CD Geld ausgeben zu dürfen, damit man zum einen dieses Klangerlebnis hat und zum anderen Unterstützung zeigen kann für diejenigen, die Symphonic Fantasies überhaupt möglich gemacht haben.
Trotz 72-minütiger Laufzeit ist jedoch das Fehlen der Zugabe ein Wermutstropfen. Die Veröffentlichung soll aber digital noch erfolgen, damit man das Paket komplettieren kann. Einen Termin gibt es aber beim Erscheinen dieses Artikels noch nicht.

Abschließend möchte ich auch erwähnen, dass bei aller Güte erster Klasse eines auf kein Medium der Welt passt: Die Atmosphäre eines solchen Konzertes. Wer die Musik liebt, sollte sich die Erfahrung mindestens einmal im Leben gönnen. Geld kommt in der Regel wieder, einzigartige Momente nicht.

(Danke an Thomas Böcker für das Rezensionsexemplar!)