Es ist mehr als nur noch zweimal schlafen, aber all zu lange dauert es nicht mehr bis Köln für einen Abend wieder Hauptstadt der weltweiten Spielemusikszene wird. Der Westdeutsche Rundfunk lädt am 23. September wieder in die Philharmonie ein, um Symphonic Legends – music from Nintendo aufzuführen. Vielen ist dabei nicht bewusst, dass es schon ein kleines historisches Ereignis ist, was sich da abspielen wird, denn obwohl Nintendo eine der ganz Großen im Videospielegeschäft ist und nahezu jeder das Thema zu Super Mario Bros. kennt, gab es noch nie ein Orchesterkonzert, welches sich rein auf die Melodien des japanischen Konzerns gestützt hat.

Gepaart mit der Traumkombination Thomas Böcker/Jonne Valtonen ist nicht nur die Neugierde groß, sondern auch die Erwartungen, schließlich konnten die Vorgängerveranstaltungen Symphonic Shades und Symphonic Fantasies durchweg begeistern – wobei gerade letzteres durch den Livestream ins Internet sehr viel internationale Begeisterung wecken konnte.

Mit diesem Artikel möchten wir unsere persönlichen Erwartungen darlegen, denn jeder hat so seine ganz eigenen Dinge, auf die er achtet.

Hamu-Sumo:
Über die musikalische Qualität mache ich mir eigentlich wenig Sorgen. Viele Melodien sind sehr eingängig, ob gewollt oder ungewollt Ohrwürmer und stelle ich mir daher einfach vor zu arrangieren. Das größte Fragezeichen ist eigentlich für mich die Frage, wie man die Musik der F-Zero-Reihe für ein Orchester hingebogen bekommt. Bekannte Titel wie „Big Blue“ oder „Mute City“ funktionieren nach meinem Verständnis gar nicht anders als mit Gitarre oder als Elektro-Version, daher müsste man entweder a) auf einen unbekannteren Track zurückgreifen oder b) Jonne Valtonen zaubern oder c) das Tempo rausnehmen (ähnlich wie bei Symphonic Shades‚ „The Final Fight“). a) fällt meines Erachtens raus. Aufgrund der zahlreichen Franchises erwarte ich Melodien mit denen der normale Spieler etwas anzufangen weiß und wenig bis keine Experimente. c) hoffe ich nicht, daher bleibt nur b). ;)
Große Neugierde habe ich auch bzgl. der Ehrengäste, zu denen es von Seiten der Verantwortlichen noch nichts gab. Passt irgendwie zu Nintendos Ich-sag-was-wenn-es-mir-passt-Strategie. Mit einer Anwesenheit der Gastarrangeure Shiro Hamaguchi, Hayato Matsuo und Masashi Hamauzu rechne ich fest. Bezüglich der Komponisten wäre Koji Kondo eigentlich Pflicht und ich denke insgeheim, dass genau er es ist, warum man noch keine Ankündigung in der Richtung gemacht hat. Herr Kondo gilt als eher schüchtern und war auch noch nie auf einem Konzert außerhalb Japans, so weit ich weiß. Sollte er also nach Köln kommen, können sich die Köpfe des Konzerts ohne Zweifel auf die Schulter klopfen. In meinen Augen genial wären auch Kenji Yamamoto (Metroid Prime-Trilogie) sowie David Wise (Donkey Kong Country-Trilogie). Letzterer wäre vielleicht sogar wahrscheinlich gewesen, wenn er die Musik zu Donkey Kong Country Returns schreiben würde – aber ausgerechnet Kenji Yamamoto wurde damit beauftragt. Es bleibt also spannend, was sich da tun wird.

Teioh:
Wenn Thomas Böcker ein Konzert ankündigt bin ich dabei. Dieser Vorsatz ist damals in Leipzig leider nie aufgegangen, in Köln dagegen umso besser. Nun findet in ein paar Tagen schon das dritte Kölner Spielemusikkonzert statt, und so schnell wie die Karten ausverkauft wurden, lässt sich feststellen: Die Konzertreihe hat sich endgültig etabliert. Egal, welche Spielemusik vertreten ist.
Dieses Jahr ist also Nintendo an der Reihe, und die Messlatte liegt ziemlich hoch.
Mit Nintendo kann man so gesehen eigentlich nichts falsch machen, denn Mario oder Zelda kennt jedes Kind. Doch wie sieht es mit z. B. mit Pikmin aus? Das kann ich ehrlich gesagt gar nicht mehr einschätzen: meine Zeit mit Nintendo-Spielen hörte nach Donkey Kong Country 3 ziemlich abrupt auf. Das reicht glücklicherweise für eine gewisse Erwartungshaltung. Und die höchsten Erwartungen stelle ich damit wohl an Donkey Kong Country, das selbst auf dem Gameboy eine fantastische Musikuntermalung hatte. Sollte z. B. eines der Stücke aus Donkey Kong Country 2 vom Orchester eingespielt werden, wäre das ein Traum. Zelda und die Super Mario-Reihe haben sich auf symphonischen Konzerten ja bereits bewährt.
Deshalb kann man wohl gerade bei diesen 2 Titeln mit überraschenden und neuen Arrangements rechnen – dafür steht Jonne Valtonen wie kein anderer. Auch die anderen Arrangeure versprechen Qualität: Masashi Hamauzu (dessen Stil meiner Meinung nach auch gut zu Zelda passen würde), Shiro Hamaguchi (kann ich mir gut bei StarFox vorstellen) und Hayato Matsuo (Ich wette auf Metroid) – Mutmaßungen beiseite – alles außergewöhnliche Künstler, die den ganz Großen, Nobuo Uematsu und Koichi Sugiyama, schon oft unter die Arme gegriffen haben. Pikmin und F-Zero sind meines Wissens symphonische Weltpremieren und runden das ganze ab: einem unvergesslichen Konzert steht nichts mehr im Weg. Knapp einen Monat vorher erwarte ich nun mit Spannung ein detaillierteres Konzertprogramm, allein schon um zu sehen, wieviele meiner Vermutungen sich bewahrheitet haben.

GoCho:
Was ich von Symphonic Legends erwarte ist ziemlich schwierig. Nachdem ich so gut wie jedes Konzert seit dem ersten GC-Eröffnungskonzert von Thomas Böcker mitverfolgt habe, bin ich auf jeden Fall gespannt was dabei rauskommt. Nintendo ist dafür bekannt große Geheimhaltung zu haben. So war es auch nicht verwunderlich, dass es auch länger gedauert hat, ehe man überhaupt erfahren durfte was dieses Jahr überhaupt gespielt wird bzw. von welchem Publisher. Nach dem SQEX Konzert Symphonic Fantasies waren alle begeistert und eine Steigerung ist meist kaum noch möglich. Diese haben wir aber Jahr für Jahr miterlebt und selbst erschaffen. Ich bin sogar für dieses Jahr auch irgendwie froh, dass es zu fast 100% kein SQEX Titel gespielt wird. Warum? Ich weiß selbst nicht warum. Einerseits ist die Musik klasse, aber seien wir ehrlich, man hört sich irgendwann satt. Das soll nicht heißen, dass ich mich nicht auf das Konzert nächstes Jahr freue, aber hey das ist nicht SQEX, das ist Uematsu. Genug davon, ich erwarte mir schöne Suites, Werke und bezaubernde Melodien. Man muss keinen großen Kracher bringen und versuchen alles zu toppen. Ich möchte einfach nur Titel wie „Big Blue“ oder etwas von Kirby hören. Mehr verlange ich nicht, einfach ein schönes und gelungenes Konzert.
Oder wie ein Kollege von mir zu sagen pflegte: „Mir egal, was kommt, ich inhaliere es so oder so!“.